Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik – Arbeitsumfeld
Ausbildung

Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik

BerufsfeldTechnik & Elektro
Arbeitsortein Werkhallen oder Werkstätten · im Freien · in Kirchen oder Türmen (bei der Montage der fertigen Glocken)
Dauer3 Jahre
Ausbildungsplätze4

Über den Beruf

Metall- und Glockengießer/innen der Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik entwerfen Glocken und Kunstgegenstände und stellen diese her. Wollen sie z.B. eine große Glocke gießen, mauern sie anhand von Schablonen die Form für den Guss aus Lehm, Stein und Sand. In Schmelzöfen schmelzen sie Bronze oder ähnliche Legierungen und lassen schließlich die heißflüssige Masse, die sogenannte Speise, durch selbstgemauerte Kanäle in die Form einlaufen. Sobald das Metall erkaltet ist, schlagen sie die Form ab, stimmen die Glocke und fertigen und montieren den Klöppel. Zum Teil bauen Glockengießer/innen auch die Glockenstühle aus Holz oder feuerverzinktem Eisen und befestigen die Glocken daran. Neben Glocken stellen sie Parkmöbel, Geländerelemente, Statuen und andere Plastiken im Sandguss- oder Wachsschmelzverfahren her. Außerdem renovieren und sanieren sie Glocken oder gegossene Kunstgegenstände.

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Worum geht es? Metall- und Glockengießer/innen der Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik fertigen Glocken und Kunstgegenstände aus verschiedenen Metallen. Hierfür stellen sie Gussformen her, schmelzen Metall, gießen es in die Formen und bearbeiten die dabei entstandenen Teile nach. "Fest gemauert in der Erden ..": die Glockenform Große Glocken für Kirchen werden auch heute noch nach alter Tradition gefertigt. Zunächst zeichnen die Metall- und Glockengießer/innen dabei die Rippe, also das Profil der künftigen Glocke, auf ein Brett. Entlang der inneren Kontur schneiden sie daraus eine Schablone aus. Anhand dieser mauern sie den ersten Teil der Glockenform, den hohlen Kern. Diesen bestreichen sie von Hand mit Lehm, bis er genau der Schablone und damit dem Inneren der geplanten Glocke entspricht. Den Kern beheizen sie von innen, um ihn zu trocknen. Bevor der zweite Formteil an die Reihe kommt, die sogenannte "falsche Glocke", tragen sie auf die Lehmschicht noch eine Trennschicht auf. Hierfür schneiden sie die Schablone bis zum äußeren Profil aus. Dann tragen sie wieder Lehm auf, bis die Kontur der Schablone ausgefüllt ist. Außen bringen sie noch Inschriften und Verzierungen aus Wachs auf. Und erneut verteilen sie schichtweise Lehm, bis ein dicker Mantel entstanden ist. Er muss sehr schwer sein, sonst springt er beim Gießen. Auch den Mantel trocknen sie, indem sie die Form von innen beheizen. Dabei schmelzen auch die Wachselemente. Die Verzierungen aber haben sich in die feuerfeste Schicht negativ eingeprägt. Jetzt ist die Form fertig und kann in die Gussgrube transportiert werden. Dort heben Metall- und Glockengießer/innen den Mantel und schlagen die falsche Glocke ab. Sie füllen den Hohlraum des Kerns mit Erde, damit er beim Gießen nicht eingedrückt wird, und stülpen den Mantel wieder über den Kern. Zwischen ihm und der Kernform besteht jetzt ein Hohlraum, in den sie später das flüssige Metall gießen. Parallel zum Bau der Glockenform gießen sie die sogenannte Krone aus Metall und setzen sie der Glockenform auf. An der Krone kann später die Glocke aufgehängt werden. Nun füllen sie die Gussgrube mit Erde und stampfen diese fest, sonst hebt sich der Mantel, wenn das Metall einfließt. Damit die Bronze in die vorbereiteten Formen fließen kann, bauen sie außerdem Kanäle aus Ziegelsteinen, die vom Schmelzofen zu den Gussöffnungen der Form führen. Von der Bronze zur Glocke Schon vor Stunden haben sie den Schmelzofen in Betrieb genommen. Wenn die Bronze geschmolzen ist und die Schmelze die richtige Temperatur erreicht hat, öffnen sie die Kanäle. Nun füllt sich die Form mit der sogenannten Speise. Metall- und Glockengießer/innen arbeiten hier sehr sorgfältig: Das heißflüssige Metall lassen sie weder zu schnell noch zu langsam in die Form fließen, damit beim Erkalten keine Risse oder Sprünge entstehen. An den Schmelzöfen und beim Gießen tragen sie Schutzkleidung, um sich vor der Hitze und vor eventuellen Spritzern zu schützen. Glocken bleiben mehrere Tage in der Erde, bis sie ausgehärtet sind. Dann graben die Metall- und Glockengießer/innen sie aus und zerschlagen die Formen, schleifen die Glocken ab und verzieren sie ggf. mit künstlerischen Motiven. Schließlich stimmen sie die Glocken, montieren die Klöppel und bauen sie in die Glockenstühle ein, wo sie an Jochen aufgehängt werden. Dabei benötigen sie gute Kenntnisse in Statik, denn Glocken haben ein enormes Gewicht und müssen sicher befestigt werden. Zum Teil bauen sie die Glockenstühle selbst aus Holz oder feuerverzinktem Eisen. Alles aus einem Guss: Kunstguss Metall- und Glockengießer/innen der Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik fertigen neben Glocken auch Kunstgegenstände aus Bronze, Messing und Aluminium an. Sie entwerfen Parkmöbel oder Geländerelemente, Statuen oder Reliefs. Hier ist Kreativität gefragt. Für jedes Stück stellen sie zuerst ein Modell aus Holz, Metall oder Kunststoff her oder lassen es von einem Modellbauer bzw. einer Modellbauerin anfertigen. Mithilfe dieser Modelle bauen sie in ihrer Werkstatt Gussformen. Beim sogenannten Wachsausschmelzverfahren ummanteln sie ein Wachsmodell mit einem anderen Material, z.B. Ton. Wenn sie das Metall eingießen, schmilzt das Wachs und wird aus der Form gedrückt. Beim Sandguss stellen sie zwei Halbformen her. Dabei setzen sie jeweils eine Modellhälfte in einen Formkasten und füllen diesen mit Sand. Der Sand wird verdichtet und ergibt die Form. Sie setzen die beiden Hälften zusammen, dann können sie das Metall eingießen. Zum Teil stellen sie Sandformen für den Metallguss oder Kunststoff-Ausschmelzmodelle für das Feingießen auch mittels 3-D-Druck her. Computergesteuert werden pulverförmige oder flüssige Materialien wie Quarzsand oder Kunststoff schichtweise aufgetragen, dann verklebt oder gehärtet und automatisch zu einem dreidimensionalen Bauteil geformt - ganz ohne weitere Werkzeuge. Doch egal, welche Form sie verwenden: Wenn das Metall erstarrt ist und aus der Form geholt wird, muss es noch nachbearbeitet werden. Glockengießer/innen putzen, glätten und polieren die Werkstücke und geben ihnen den letzten Schliff.

Ausbildung & Zugang

BerufstypAnerkannter Ausbildungsberuf
AusbildungsartDuale Ausbildung im Handwerk (geregelt durch Ausbildungsverordnung)
Dauer3 Jahre
Zugangsvoraussetzungen1
  • Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben.

Ausbildungsplätze

Karriere & Weiterbildung

Häufige Fragen

Was macht ein/e Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik?

Metall- und Glockengießer/innen der Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik entwerfen Glocken und Kunstgegenstände und stellen diese her. Wollen sie z.B. eine große Glocke gießen, mauern sie anhand von Schablonen die Form für den Guss aus Lehm, Stein und Sand.

Wie lange dauert die Ausbildung zum/zur Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik?

Die Ausbildung zum/zur Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik dauert 3 Jahre.

Welche Voraussetzungen braucht man für den Beruf Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik?

Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben.

Welche Schulfächer sind wichtig für Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik?

Wichtige Schulfächer für angehende Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik: Mathematik (um Werkstoffe, Arbeitskosten und Flächen zu berechnen), Werken/Technik (um Gussformen für Glocken herzustellen und Gusserzeugnisse zu bearbeiten), Physik/Chemie (um Rohstoffe zu schmelzen und Metalllegierungen herzustellen), Kunst (um Wachsmodelle für Kunstfiguren herzustellen und Zeichnungen anzufertigen).

Wie sind die Berufsaussichten als Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik?

Die Berufsaussichten als Metall- und Glockengießer/Metall- und Glockengießerin Fachrichtung Kunst- und Glockengusstechnik sind gut.

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